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Ein Schrei nach Liebe

?berarbeitete Version vom 25.01.2005

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) versucht mit Esther Schapiras Dokumentarfilm ?Der Tag, an dem ich ins Paradies wollte - Der Weg einer lebenden Bombe? ein Gegenst?ck zu Hany Abu-Assads Terrorromanze ?Paradise Now? zu etablieren.
?ber die Filmvorf?hrung und die anschlie?ende Diskussion berichtet Martin Schneider

?Jeden Morgen durchsucht er seinen Bus auf versteckte Sprengs?tze.? Gemeint ist Menashe Nuriel, ein ganz gew?hnlicher israelischer Busfahrer und doch ein Held. Am 2. August 2001 hinderte er n?mlich den 16-j?hrigen Pal?stinenser Mohammed Besharat daran, seine m?rderische Mission zum Ende zu bringen. Mehr als 50 Menschenleben vermochte er damit zu retten, darunter auch sein eigenes und das des minderj?hrigen Selbstmordattent?ters. Seitdem lebt Menashe Nuriel in st?ndiger Angst: ?Wo wartet der n?chste Attent?ter?? Mohammed befindet sich indes in einem israelischen Gef?ngnis, verurteilt zu 18 Jahren Haft.

Der Weg des jungen Pal?stinensers und das Leben des mutigen Busfahrers stehen im Zentrum des 60-min?tigen Dokumentarfilms von Esther Schapira, der nach den Ursachen fragt und ausnahmsweise nicht mit Israel antwortet. Die Regisseurin [1], die pers?nlich erschien um sich den Fragen des Publikums zu stellen, ist Redakteurin beim Hessischen Rundfunk. Ihr kritischer Film "Drei Kugeln und ein totes Kind - Wer erschoss Mohammed al-Dura?" hatte bereits international Aufsehen erregt. Im Anschluss erhielt sie sogar Morddrohungen von Islamisten und musste sich fortan auf Veranstaltungen von Sicherheitskr?ften besch?tzen lassen.

?Anl?sslich der kritischen Diskussion um den Film "Paradise Now" in den letzten Wochen und das von der Bundeszentrale f?r politische Bildung produzierte Begleitheft, das der Behandlung des Themas in Schulen dienen soll, wollen wir Ihnen mit dem Film von Esther Schapira eine sehenswerte Alternative vorstellen.?
Die Einladung der Berliner Verb?nde der Deutsch-Israelischen Gesellschaft [2] und der Gesellschaft f?r Christlich-J?dische Zusammenarbeit klang vielversprechend. Zur Filmvorf?hrung, die am 16. Januar im Gro?en Saal des Centrum Judaicum stattfand, kamen dann auch ungef?hr hundert, junge wie alte Besucher. Routinem??ig wurden sie am Eingang von Sicherheitsleuten kontrolliert.

Fakten und Fiktionen

?Es war noch nie wichtiger ?ber Israel zu reden, als heute.? Mit diesen Worten leitete der Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Jochen Feilcke, die Veranstaltung ein.
Anschlie?end ergriff die stellvertretende Vorsitzende der DIG, Meggie Jahn, das Wort. F?r die Filmvorf?hrung mit Esther Schapira habe man sich ankn?pfend an den Runden Tisch zu ?Paradise Now? [3] entschieden. Sie f?hrte weiter aus, dass die an deutschen Schulen verwendete Begleitbrosch?re der Bundeszentrale f?r Politische Bildung zum Film von Hany Abu-Assad nicht ausreichend sei, um Sch?lern ein differenziertes Bild ?ber den Konflikt im Nahen Osten zu vermitteln. Die Brosch?re lasse wichtige Fakten, wie das Camp-David-Abkommen und Baraks Zugest?ndnisse an Arafat vermissen. Schapiras Dokumentation solle daher gleichzeitig mit ?Paradise Now? an deutschen Schulen Gegenstand des Unterrichts werden.
Schlie?lich richtete die Filmemacherin selbst einige Worte an das Publikum. Sie habe einen Dokumentar- und keinen Spielfilm produziert. Dies sei der ?Unterschied ums Ganze? zu ?Paradise Now?. Mohammed Besharat existiert tats?chlich und sein Versuch sich in die Luft zu sprengen, ist nicht fiktiv. Es habe ?kein Casting? gegeben und ?zwei Jahre hartn?ckigen Nachfragens? in Anspruch genommen, um aufzuzeigen ?warum er es gemacht hat?.

Die Schw?chen des Liebling Europas, der nun auch noch den Golden Globe f?r den besten ausl?ndischen Film erhielt, sind offensichtlich die St?rken von Schapiras Dokumentation. Wobei die Schw?chen letztgenannter (von denen noch zu reden sein wird) keinesfalls die St?rken von ?Paradise Now? sind. Solidarit?t mit Israel ist f?r sie selbstverst?ndlich, Appeasement mit dem Terror hingegen nicht. Fundamental unterscheiden sich also nicht nur das Genre, sondern auch die Perspektive der beiden Filme. Zur Rezeption Schapiras Dokumentation lohnt es sich, den Artikel ?Weil ich ein M?rtyrer sein will? [4] zu lesen, den sie f?r die Trib?ne geschrieben hat. Darin gibt sie kurz und knackig den Inhalt wieder und kn?pft (selbst)bewusst an die realit?tsferne Inszenierung vom pal?stinensischen Regisseur Hany Abu-Assad an. Unangenehme Fakten, wie die europ?ischen Mittel zur Finanzierung von antisemitischen Schulb?chern und die Ignoranz europ?ischer Medien hinsichtlich antisemitischer Selbstmordattentate machen den Film schlie?lich sehenswert. Sie erkl?ren aber auch, warum ein faktenloser Spielfilm ohne j?dische Opfer Old Europes Herzen eroberte. Und im Gegensatz dazu ein fiktionsfreier Dokumentarfilm mit j?dischen Opfern, der sich auch noch gegen die europ?ische Unvernunft richtet, kaum rezipiert wird. Dort also, wo der antisemitische M?rder per se das Opfer und das j?dische Opfer ebenso selbstverst?ndlich der Provokateur ist, l?sst sich mit solch einem Film freilich nicht Hof machen.

?Wo wartet der n?chste Attent?ter??, diese Frage steht exemplarisch f?r das, was ?Paradise Now? nicht grundlos vermissen l?sst. Aus ihr spricht die Angst des Busfahrers, mit ihr antwortet die Vernunft eines Individuums und Familienvaters, der seinen Job weitermacht und sich nicht einer extremistischen Terrorgruppe anschlie?t, um Rache zu ?ben. Ein Mensch, der in Israel zum Helden wurde, weil er ein Attentat verhindern und so Menschenleben retten konnte. Ganz anders Mohammed, der nun als M?rtyrer gefeiert wird, trotzdem seine m?rderische Operation fehlschlug. Auch er hatte einen Anlass w?tend zu sein ? als n?mlich die israelische Armee seinen Cousin und drei weitere Terroristen eliminierte, um von ihnen geplante Anschl?ge zu verhindern. Mohammed aber zog daraufhin in den ?Heiligen Krieg?, mit einer Bombe und ohne Gewissen. Vier Jahre sp?ter spricht er mit Esther Schapira. Auf die Frage, ob er seine Tat heute bereuen w?rde, antwortet er fernab von Reue und Reflektion: ?Ich bin weder froh, noch traurig, dass es nicht geklappt hat?. Dadurch dass Schapira - wie es so sch?n hei?t und diesmal auch wirklich gut gemeint ist - beide Seiten betrachtet, gelingt es ihr den Anachronismus zwischen offenen und autorit?ren Gesellschaften aufzuzeigen, den sie veranschaulichend bebildert ohne sich des Pathos zu bedienen. Der Appell an Restvernunft statt an westlichen Selbsthass und der offenkundige Zukunftsoptimismus anstelle der fatalistischen Untergangsstimmung sind die wesentlichen Antagonismen Schapiras Dokumentation verglichen mit dem preisgekr?nten Kinofilm.

Doch ihr Film hat auch Schw?chen. Konzentriert sie sich schlie?lich vordergr?ndig auf rationale Erkl?rungsans?tze f?r die Motivation des suicide bombers. Sie widerlegt zwar gekonnt die These, dass sich Selbstmordattent?ter aus Armut und Verzweiflung zur Selbstopferung verleiten lassen w?rden. Weiterhin f?hrt Schapira die sexuelle Zwangsmoral im Kontext mit der Aussicht des Djihadisten auf 72 Jungfrauen im Paradies als eine von vielen Ursachen ins Feld. So erscheint das Umfeld von Mohammed alles andere als pauperisiert und ungebildet, die Mutter beinahe wie eine Dissidentin. Und so kritisiert sie den Islam als solchen und nicht diejenigen, die ihn angeblich falsch f?r sich auslegen w?rden, wenn sie Aufrufe zum Judenmord in pal?stinensischen Moscheen und arabischen Medien dokumentiert. Von eliminatorischen Antisemitismus und Islamfaschismus derweil spricht sie nicht. Folglich bel?sst sie es nicht bei der Negation des antisemitischen Terrors. Als sie die Tochter des israelischen Busfahrers interviewt, die ihren naiven Dialog mit den Worten ?We can do it? abschlie?t, spricht Schapira zweifellos auch f?r sich selbst. Es hat den Anschein, als w?rde sie die Irrationalit?t der T?ter aber auch ihrer Versteher untersch?tzen. Folgerichtig versucht sie einen Positivismus zu vermitteln, der selbst irrational aufgeladen ist. Und zwar im Stile eines Henryk M. Broder, der zun?chst wie kein zweiter den antisemitischen Hintergrund pointiert und dann aber doch ? vielleicht um kein Spielverderber zu sein ? einen substanzlosen Optimismus proklamiert [5]. H?tte sie darauf verzichtet, der Film w?re brillant. Es bleiben n?mlich viele gute Stellen, wovon einige anschlie?end in der Diskussionsrunde tangiert wurden.

Fragen und Antworten

Die Moderation der Diskussion mit der Regisseurin ?bernahm Maya Zehden, die Gesch?ftsf?hrerin der Gesellschaft f?r Christlich-J?dische Zusammenarbeit. Sie wiederholte gleich zu Beginn das Argument, dass die bereits auf der Podiumsdiskussion zu ?Paradise Now? [6] anf?hrte. Dass n?mlich in diesem Film nicht nur zu wenig Politik, sondern auch zu wenig Emotionen ber?cksichtigt werden. Im Film von Schapira fand sie eben jene Eindimensionalit?t erfreulicherweise nicht vor. (Alle nicht n?her gekennzeichneten Zitate stammen von Esther Schapira, Anm. Martin Schneider)

1. Als erstes meldete sich eine Frau und versuchte eine Lanze f?r ?Paradise Now? zu brechen. Sie fragte, warum Schapira denn unbedingt einen Grund f?r die Selbstmordattent?ter brauche, warum sie es ?berhaupt verstehen wolle. Daraufhin nahm Schapira ihrerseits ?Paradise Now? auseinander: Es handele sich um einen ?Agitprop-Film?, wogegen nichts zu sagen sei. Der Regisseur Hany Abu-Assad versuche aber seinem Film einen ?authentischen Schein? zu verleihen. Er tut ihrer Meinung nach so, als sei es ein Dokumentarfilm. Dadurch dass er ein Film auch aus und f?r Europa ist, ergibt sich f?r die Regisseurin der Konflikt. In Israel hingegen sei er kein Problem, da die Menschen dort die Realit?t sehr wohl kennen w?rden.

2. Anschlie?end fragte ein junger Mann, warum denn der im Film auftretende Staatsanwalt ein Milit?r sei. Dies begr?ndete Schapira mit der Herkunft Mohammeds, der Westbank. In den ?besetzten Gebieten? w?re israelisches Recht nicht anwendbar. Daher musste sich auch Mohammed vor einem Milit?rgericht verantworten.

3. Als n?chstes kam eine ?ltere Frau zu Wort, die in ?Paradise Now? auch authentische Szenen gefunden zu haben vorgab. So auch die Szene, in dem das M?rtyrervideo aufgrund technischer Probleme ein zweites Mal gedreht werden musste. Warum gerade diese Stelle im Film so gar nicht authentisch ist, f?hrte Schapira folgenderma?en aus: Israel wird im Video als solches (und nicht wie gew?hnlich als ?zionistisches Gebilde? oder ?hnliches) benannt, was unm?glich sei. Noch realit?tsfremder w?re aber die Begr?ndung f?r den Anschlag in dem Video nach der ?Israel eine Zwei-Staaten-L?sung ablehnt?. Sie unterstrich abermals die Brisanz dieser politischen Botschaften in Anbetracht des europ?ischen Zielpublikums, das den Film nicht zuf?llig bejubelt hat.

4. Nun schaltete sich die Moderatorin in die Diskussion ein. Maya Zehden von der DIG versuchte die Frage nach den Terrorursachen mit der Manipulation und Propaganda in der islamischen Welt zu beantworten und erkundigte sich nach deren Aktualit?t. Dabei erschien sie sichtlich entspannter als bei ihrer nicht beneidenswerten Rolle w?hrend der Podiumsdiskussion zu ?Paradise Now?. Damals musste sie als einzige Frau auf dem Panel gegen f?nf mehr oder weniger israelfeindliche M?nner (einschlie?lich dem Moderator) antreten. Schapira stimmte ihr zu und erg?nzte die Manipulation der arabischen Medien um die Propaganda in den Schulb?chern. Auch die neuen, von Europa finanzierten Schulb?cher w?rden Landkarten ohne Israel ausweisen und Sprachunterricht sei an pal?stinensischen Schulen zumeist auch noch verboten. Die zum Judenmord aufrufenden Ausschnitte aus dem arabischen Fernsehen, die sie in der Dokumentation verwendet hat, stammen zwar aus dem Jahre 2000. Jedoch nur, wie sie erg?nzte, damit Mohammed sie theoretisch gesehen haben k?nnte.

5. Bezug nehmend auf die Frage eines Mannes nach potentiellen Resozialisierungsm?glichkeiten von Terroristen, beschreibt die Filmemacherin die recht chaotischen Bedingungen in dem Gef?ngnis, in dem sie Mohammed interviewte. Das Gespr?ch musste aufgrund von Platzmangel in der Waschk?che stattfinden, was den Tontechniker beinahe um den Verstand gebracht h?tte. Offensichtlich hatte Mohammed ein Auge auf eine Gef?ngnisangestellte geworfen, die wie ein ?Model? aussah. Auf Schapiras Frage, ob er sich auch in die Luft gesprengt h?tte, wenn sie im Bus gesessen h?tte, antwortete er n?mlich hochrot: ?Es ist nicht unsere Absicht sch?ne Frauen zu t?ten.? Im Kontext mit den Schwierigkeiten der Dreharbeiten im Gef?ngnis sagte sie: ?Alles ist erst verboten und am Ende geht alles.? Die Gemeinschaftszelle der Terroristen beschrieb sie etwas lapidar als ?Wohngemeinschaft?. Gegen eine Isolation der Gefangenen f?hrte sie mehrere Argumente an: Es w?re brutal, da ignorant gegen?ber der islamischen Kultur, die der Gemeinschaft (z.B. der Gro?familie) gro?e Bedeutung zuspricht. Au?erdem g?be es pragmatische Sicherheitsaspekte und r?umliche Defizite. Eine Therapie, nach westlichen Standards, h?lt sie f?r naiv. Doch auch die Gemeinschaftshaft b?rgt ihrer Meinung nach Risiken. So w?ren die vier Jahre Haft f?r Mohammed gleich bedeutend mit vier Jahren weiterer Gehirnw?sche.

6. Ein Lehrer sprach im folgenden die progressive Haltung der Eltern Mohammeds an, die im Falle der Mutter sogar den Verf?hrern ihres Sohnes den Kampf ansagte. Schapira relativierte zumindest die Position des Vaters, der mehr als die menschlichen Standards, seine eigene patriarchale Macht unterminiert sah. Folgerichtig zitierte sie ihn mit den Worten: ?Die h?tten mich fragen m?ssen?. Au?erdem konstatierte sie im Elternhaus eine bedrohliche Atmosph?re, f?r die im Wesentlichen der wahrscheinlich f?r den Islamischen Djihad aktive Bruder Mohammeds verantwortlich war. Dennoch sprach sie von einem ?hoffnungsvollem Zeichen? und kritisierte, dass ?Paradise Now weit hinter der inner-pal?stinensischen Debatte? zur?ckbleibt. Zuvor machte Schapira darauf aufmerksam, dass sie den Film alternativ zum Begleitheft zu ?Paradise Now? an deutschen Schulen vorgeschlagen hat. Die Bundeszentrale f?r Politische Bildung lehnte dies jedoch mit der dubiosen Begr?ndung ab, dass man die Kinder nicht zwingen sollte Fernsehen zu schauen. Der Weg ins Kino hingegen soll unproblematisch sein. Die Grenzen der Aufkl?rung sind offensichtlich nur dann nicht durch mediale Mauern versperrt, wenn Verst?ndnis f?r Terror ? nicht aber f?r dessen Opfer ? gepredigt werden kann. Wer wie der engagierte Lehrer den Film dennoch zu p?dagogischen oder anderen Zwecken nutzen will, solle sich an Schapira wenden.

7. Ein weiterer Einwurf eines Mannes mittleren Alters zielte auf die Ausbildungsm?glichkeiten Mohammeds ab. Fernstudium aus dem Knast? Dies nutzte die Regisseurin noch einmal dazu, die hervorragende Ausgangsposition des intelligenten Jugendlichen vor dem versuchten Selbstmordattentat aufzuzeigen: Dem Abitur nahe, gute Noten, die Aussicht auf ein Studium und die Erf?llung seines Wunsches als Arzt oder Ingenieur zu arbeiten. Damit widerlegte sie einmal mehr die in Europa virulente Sozialverliererthese.

8. Auf die Frage eines Mannes, wie denn die Interviews zustande gekommen sind, verwies sie auf ihren Dolmetscher. Au?erdem berichtete sie von ihren Schwierigkeiten in den pal?stinensischen Gebieten zu drehen. Durch ihren Film ?Drei Kugeln und ein totes Kind. Wer erschoss Mohammed al-Dura?? genie?e sie dort alles andere als einen guten Ruf.

9. Danach fragte jemand, was denn Mohammed nach der Haft zu erwarten h?tte. Schlie?lich sei er mit seinem Auftrag gescheitert. Schapira stelle daraufhin klar, dass er trotzdem ein M?rtyrer bleibt und er nun sogar seine Familie mit ins Paradies nehmen darf. Ein wichtiger Aspekt in der islamischen Gemeinschaft, in der family values vor Eigennutz gehen. Dass im Paradies angeblich 72 Jungfrauen auf den suicide bomder warten, scheint auch Mohammed regelrecht angeturnt zu haben. Immer wieder kam er im Film auf die Jungfrauen zu sprechen. F?r Schapira ein deutlicher Beleg f?r das ?sexualrepressive Umfeld?, indem vor allem junge, muslimische M?nner ihr konkretes Bed?rfnis nach sexueller Befriedigung zu unterdr?cken veranlasst sind. Ihrer Meinung zufolge ist die Bereitschaft zur Selbstopferung also auch ein ?Testosteronproblem?.

10. Auf die Frage nach der Rolle des Islams und dessen Macht auf die Jugend antwortet Schapira mit dem Nationalsozialismus, also der deutschen Geschichte. Auschwitz sei ohne islamischen Hintergrund m?glich gewesen. Auch hierzulande zogen Kinder f?r den F?hrer in den Krieg. Damals wie heute handelt es sich, so Schapira, um ?politischen Kindesmissbrauch?. Den Terror konkret als faschistisch zu denunzieren, wagte sie jedoch nicht.

11. Die n?chste Frage nach der filmischen Darstellung von Israelis und Pal?stinensern wurde von einem jungen Mann in englischer Sprache vorgetragen und von Esther Schapira auf deutsch beantwortet. Sie beklagte die in Europa hegemoniale Darstellung der Pal?stinensern als Bauern. Dabei w?ren sie ?das gebildeste arabische Volk?. Ihr Film hingegen mache Divergenzen in der pal?stinensischen Gesellschaft deutlich. Auch die israelische Gesellschaft habe sie versucht differenziert zu betrachten. Die Darstellung einer Stra?ensperre in den besetzten Gebieten brachte ihr, so f?hrt sie aus, besonders aus dem rechten Lager in Israel viel Kritik ein. In der besagten Szene wertet sie unter anderem das Gebet eines j?dischen Soldaten in den ?besetzten Gebieten? als ?zynisch?. Sie wolle auch die Leiden der Pal?stinenser infolge der Besatzung nicht aussparen.

12. Ankn?pfend an die Kardinalsfrage nach den Ursachen des Terrorismus, meldete sich daraufhin eine ?ltere Frau aus dem Publikum zu Wort. Sie machte daf?r in aller Deutlichkeit den Judenhass der Pal?stinenser verantwortlich und betonte, dass viele gar keine Erfahrungen mit Juden gemacht h?tten. Dagegen brachte Schapira die Unbrauchbarkeit monokausaler Erkl?rungsversuche in Stellung und wies auf rege Kontakte zwischen beiden Parteien vor der Intifada hin. Des weiteren f?hrte sie ihren Artikel ?Weil ich ein M?rtyrer sein will? ins Feld. Dort habe sie das freundschaftliche Verh?ltnis Mohammeds Familie mit der Familie des j?dischen Arbeitgebers seines Vaters n?her erl?utert.

13. Anschlie?end interessierte sich eine Frau nach den Reaktionen aus Europa auf den Konflikt. Diese beschrieb Schapira mit Vokabeln wie ?Naivit?t? und ?Desinteresse?, wobei unklar blieb, warum ?Paradise Now? derart interessiert von Europa rezipiert und mit Preisen ?berh?uft wurde. Dass besonders der Boden der deutschen Geschichte bis nach Pal?stina reicht, vermochte sie an dieser Stelle leider nicht zu explizieren. Vielleicht war das aber auch gar nicht ihre Intention. Wie auch immer, die Diskussion neigte sich allm?hlich dem Ende zu. Die Beitr?ge klangen mehr und mehr ersch?pft und die Beitragenden m?de.

14. Als Frau Zehden die Debatte bereits zum Ende bringen wollte, meldete sich eine offensichtlich kundige Beobachterin israelischer Politik und bat um ein Statement zur Anw?ltin Mohammeds, die auch im Film interviewt wurde. Ihres Wissens wird sie von der israelischen Rechten scharf f?r ihr pro-pal?stinensisches Engagement kritisiert. Schapira plauderte daraufhin ein wenig aus dem N?hk?stchen: Das Interview mit der Anw?ltin fand in einem pal?stinensischen Hotel statt, indem sie zuvor noch Wasserpfeife rauchte. Obwohl sie in der Friedensbewegung aktiv ist, sei sie jedoch nicht anti-israelisch.

Wahrheit und Wahn

Dass sich der Film auf Fakten st?tzt, macht ihn gut und dass er sich der Wahrheit ann?hert, statt sie zu verkl?ren, noch besser. Betrachtet man das Unterfangen Schapiras jedoch teleologisch, fragt man also nach dem Zweck des Ganzen, ergibt sich eine perfide Problematik. Wie sie in ihrer Dokumentation selbst nachweist, geht es der europ?ischen ?ffentlichkeit nicht um die Wahrheit und dem Antisemiten nicht um das bessere Argument. Eines hat sie aber offensichtlich nicht verstanden. Dem Antisemiten geht es nicht einmal um den Juden und auch dem Antizionisten ist Israel im Grunde egal. Sie verkennt ganz einfach den projektiven Charakter des Antisemitismus und tappt so in die Falle. Dort befindet sie sich in bester Gesellschaft. Schon viele Juden und Nicht-Juden vor ihr haben die selbe Sisyphosarbeit wie sie unternommen und versucht, dem Antisemiten seinen Antisemitismus auszureden. Ein fataler Irrtum, dem auch sie aufgesessen ist, wenn sie wie im Film das freundschaftliche Verh?ltnis Mohammeds Familie mit dem j?dischen Arbeitgeber seines Vaters in Szene setzt. Im In-Fight mit dem Gegenst?ck ?Paradise Now? muss ?Der Tag, an dem ich ins Paradies wollte? verlieren, bleibt es beim Schrei nach Liebe. Holt man ihn jedoch aus dem Ring, bleibt der gewinnbringende Gehalt Schapiras Dokumentation unbestritten: die Wahrheit n?mlich, die sich im Wortsinn bewahrheitet. Auch wenn sie kaum jemand wissen will.

Fu?noten:

[1] Einige erg?nzende Informationen zur Regisseurin:
http://www.perlentaucher.de/autoren/4146.html

[2] Die Homepage der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Berlin: http://www.digberlin.de/

[3] Zum besseren Verst?ndnis des Films ?Paradise Now? empfiehlt sich die Lekt?re der Rezension von Tobias Ebbrecht (Typoskript): Die ?post-israelische ?ra? als Kinoversprechen (http://www.typoskript.net/texte/artikel_0021/0021_web.htm )

[4] Der Artikel von Schapira als PDF-Datei: (http://www.tribuene-verlag.de/TRI_Schapiera-1.pdf )

[5] F?r Henryk M. Broder im ?brigen ist ?Paradise Now? ein ?guter, ein wichtiger Film?. Mehr dazu gibt es in seinem Streitgespr?ch mit Ralf Schroeder, das auf der Website der DIG Berlin zu finden ist und hier zum Download bereit steht: (http://www.digberlin.de/PDFUPLOAD/streitgespraech_schroeder_broder.pdf )

[6] Ein ausgezeichneter Bericht zur Podiumsdiskussion zu ?Paradise Now? findet sich auf dem Weblog von classless:
http://myblog.de/classless/art/2042345
20.1.06 21:42
 


bisher 6 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Maria Isis (31.3.17 18:01)
Pensando nos profissionais de estética que precisam de inovação todos e
cada um dos dias, é que a esteticista Raquel Manes criou um método acessível onde
pupilo aprenderá três técnicas inovadoras para estiramento de cílios:
Técnica 3D, Volume Russo e também Fio a fio, sendo que este
treinamento é único que oferece essas três técnicas.


Maria Isis (31.3.17 18:01)
Pensando nos profissionais de estética que precisam de inovação todos
e cada um dos dias, é que a esteticista Raquel Manes criou
um método acessível onde pupilo aprenderá três técnicas inovadoras para estiramento de cílios: Técnica 3D, Volume
Russo e também Fio a fio, sendo que este treinamento é único que oferece essas três técnicas.


Paulo Benjamin (9.6.17 04:13)
Dentro de se tratando de chefe pública, a ação arriscar-se-á estar processada também a convocação da executada nos termos comiseração editorial 730 da CLT, sem a desembaraço de correspondência precatório.


Paulo Benjamin (9.6.17 04:14)
Dentro de se tratando de chefe pública, a ação arriscar-se-á
estar processada também a convocação da executada
nos termos comiseração editorial 730 da CLT, sem a desembaraço de correspondência precatório.


Maria Yasmin (8.7.17 23:57)
PROCESSOS FÍSICOS: nos casos onde a acusação depende desde desarquivamento a documento findos com o objetivo de produzir acatamento a acórdão, terá que amputar todas as cópias necessárias destinado a aletradar pedido executório, cadastrando no
ESAJ as petições como aplauso desde acórdão.


Maria Yasmin (8.7.17 23:58)
PROCESSOS FÍSICOS: nos casos onde a acusação depende desde desarquivamento a documento findos
com o objetivo de produzir acatamento a acórdão, terá que amputar todas as cópias necessárias
destinado a aletradar pedido executório, cadastrando no
ESAJ as petições como aplauso desde acórdão.

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